Die nächste Station war auch die letzte Station. Unsere Reise endete in Hagen, bei Oma.
Es war eine schöne Reise, die uns aber auch viel abverlangt hat. Bei all den schönen Dingen, die wir gesehen und erlebt haben, musste auch jeder von uns einiges wegstecken. Streit, Schimpfen, kindliche Ungeduld und elterliche Genervtheit. Die Suppe haben wir so bestellt und so wird sie jetzt auch gegessen. Fakt ist, ich würde die Suppe immer und immer wieder bestellen.
Dann endlich ist es in Sicht, das Wolfcenter. Alle waren gespannt auf die Wölfe. Natürlich buchten wir dort eine geführte Tour mit Fütterung. Doch bevor es losging, verblieb aber noch ein wenig Zeit, so schlenderten wir durch das Gebäude, mit einem kleinen Shop und -vor dem Eingang zum Wolfscenter-Inneren- eine lange Schautafel, wo man alles mögliche über die Geschichte des Wolfs lesen konnte. Dann ging es los, nach einer Einführung und reichlich Text gingen wir zu den Gehegen.
Neben europäischen Grauwölfen leben im Wolfcenter auch Hudson Bay Wölfe, weiß wie Schnee.
Das Wolfcenter hat insgesamt fünf Gehege für Wölfe. Es gab einen Moment, der diese Grenzen zu sprengen erschien. Nacheinander stimmten die Wölfe in ein Geheule ein bis schließlich alle Wölfe vereint den späten Nachmittag besangen. Für uns ein magischer Moment.
Weiterhin schlenderten wir dann durch den Park und genossen die Präsenz dieser faszinierenden Tiere.
Während ich fotografierte kommentierte scherzhaft ein vorbeilaufender Angestellter, dass das sehr ungewöhnlich sei, dass alle Wölfe des Geheges so eng bei mir aufhielten. Hier hatten die Wölfe jedoch ihre volle Aufmerksamkeit auf den Angestellten gerichtet, er hatte Fleisch auf ner Karre dabei.
Neben den Wolfsgehegen gab es im Wolfcenter auch noch ein Gehege mit Alpakas und eines mit Ziegen. Joshi hatte Spaß mit den Ziegen.
Marie konnte ihre Skepsis gegenüber den Tieren nicht überwinden und blieb gefangen in einer endlosen Schleife zwischen “Ich will zu den Ziegen” und “Ich will weg von den Ziegen”.
Die Nacht verbrachten wir direkt vor dem Wolfcenter, womit wir nicht alleine waren. Ein Mitarbeiter des Parks hat sich hier mit seinem Wohnwagen häuslich eingerichtet und schläft so direkt vor seiner Arbeitsstelle. Ein überaus netter Zeitgenosse, der hier seine Passion gefunden hatte. Wir kochten Spaghetti Mirácoli, geht schnell, verringert die Gefahr von missbilligenden Kindern und ist lecker 🙂
Auch hier durchbrach ab und an das Geheule der Wölfe den Abend. Ob die Wölfe Nachts geheult haben, kann ich nicht sagen, ich habe viel zu tief geschlafen.
Eine der Vorzüge, wenn man mit einem Camper unterwegs ist: Spontanität. Als wir in Vejers Strand losfuhren, wussten wir noch nicht, welches Ziel genau wir anpeilen werden. Wir entschlossen uns für Sønderborg, eine Stadt in der Region Syddanmark, direkt an der Flensburger Förde, unweit der Grenze von Deutschland. Im Internet fanden wir simple Stellplätze am Sønderborg Lystbådehavn. Zwischen schlafenden Schiffen, Autos und anderen Campern fanden wir ein kleines Plätzchen. Nach einem kleinen Erfrischungsgetränk am Hafen und einer faszinierten Marie -andere Kinder fingen Krabben in einem Eimer- machten wir uns aber direkt auf den Weg in das Städtchen. Das Wetter war grandios, die Uferpromenade auch.
So richtig viel Zeit hatten wir leider nicht, wo wir erst um halb Sieben abends in Sønderborg ankamen. Wir hatten also auch ein klares Ziel für unseren Stadtgang vor Augen, Essen fassen. Die kurzweilige Unentschlossenheit wurde überwunden und wir holten uns Sandwiches mit Pommes und Ketchup. Zurück an der Promenade fanden wir ein hübsches Bänkchen und ließen uns nieder. Es war wirklich eine tolle Stimmung im Abendlicht.
Anschließend gingen wir zurück zum Camper und machten uns fertig für die Nacht.
Irgendwie hat es sich eingebürgert, dass Ina den Camper schlaffertig macht, während ich die Kinder bespaße. Und so ging ich mit Marie und ohne Josh -der wollte partout nicht mit- auf den Spielplatz, direkt an der Marina.
Wie schön die Sonne doch sein kann, selbst wenn sie nicht da ist. Stellvertretend taucht hier eine Wolke in einen Farbeimer und verpasst den Booten mit ihren Mästen einen Hintergrund, den man glatt dem Impressionismus zuordnen könnte. Es war teilweise wirklich schwer, sich bei diesem Anblick auf Maries Spiel zu konzentrieren.
Neuer Tag, neues Glück. Hier standen wirklich gut verteilt diese netten Bänkchen mit Tisch herum. So belagerten wir morgens die nächste Bank, dieses mal direkt am Hafen. Hier stärkten wir uns für die Fahrt ins Wolfscenter in Niedersachsen.
Bevor wir wieder Richtung Süden fahren, wollten wir erst noch einmal Richtung Norden und zwar nach Hvide Sande. Zuvor aber mussten wir auch dieses “Strand mit dem Auto”-Ding testen und machten einen kleinen Umweg über den Strand, den wir üblicherweise zu Fuß begingen.
Anschließend fuhren wir ca. eine Stunde nach Hvide Sande, genauer genommen direkt zum Leuchtturm, Lyngvig Fyr. Erstes konkretes Ziel vor Ort: Der Spielplatz. Marie war nicht aufzuhalten, nachdem sie den Flying Fox entdeckte.
Anschließend sind wir über die Düne zum Strand gelaufen. Es war ein ähnliches Bild, wie in Vejers Strand, ein breiter, endloser Sandstrand, der kleine Abstieg am Ende der Düne und eine satte Brise aus Richtung der See. Wirklich schön hier!
Auch schon an der Ostsee waren immer wieder überall Schilder zu sehen, dass man hier und dort nicht ins Gebüsch reinlaufen sollte, weil dort Kreuzottern lebten. Dass wir aber wirklich eine zu Gesicht bekommen, hätte keiner von uns gedacht. Während des Rückwegs vom Strand zum Leuchtturm hatten wir eben jene Begegnung der ungewöhnlichen Art, eine Kreuzotter überquerte den kleinen Weg und war auch rasch wieder verschwunden. Unglaublich!
Die kleine Hafenstadt Hvide Sande hat eine interessante Position auf der Landkarte, sie liegt auf einer sogenannten Nehrung. Muss man erstmal Wikipedia befragen. Eine Nehrung ist ein schmaler Sandstreifen, welcher ein Haff oder auch Bodden, also eine Art See, vom offenen Meer trennt. Mindestens für Surfer ist das eine interessante Konstellation, da sich im Haff natürlich keine Wellen auftürmen, der Wind kommt aber natürlich dennoch durch. Perfekte Surfbedingungen.
Ein letztes Mal zur Nordsee Winken und ab Richtung Süd-Südost.
Der Wechsel vom Vorzelt auf das Tarp ist in der Abbaudauer begründet. Gerade am Ende eines Aufenthaltes hat sich das immer wieder als praktisch erwiesen. Entweder wir bauen dann komplett ab und haben gar kein Zelt mehr, oder wir bauen eben das deutlich weniger aufwändige Tarp an den Bus. In der Nacht hat es wieder ziemlich gewindet und auch geregnet. Ein prima Test für unser Tarp-Setup. Das Tarp hat das gut weggesteckt.
Für den Tag standen im Wesentlichen zwei Punkte auf der Agenda: 1) Duschen 2) Essen gehen. Während wir dann noch am Bus rumhingen, gesellte sich auch ein Nachbarsjunge zu Marie und Joshi.
Man kann wirklich nicht mit Sicherheit sagen, ob es die unwiderstehliche Aura unserer Kinder, die mega frischen Eltern oder schlicht unsere “Finest Selection of Paw Patrol” war, die immer wieder umliegende Kinder auf den Plan riefen. Wahrscheinlich eine Mischung.
Die Sanitäranlagen in Vejers Strand Camping waren wirklich großartig. Neuwertig, modern, mit kindergerechten Duschen. Joshi hatte riesigen Spaß dabei, Marie eher nicht.
Agendakonform gingen wir abends ins Fischrestaurant Vejers Strand Røgeri. War wirklich sehr lecker. Auch mit Marie und Joshi klappte das wirklich prima. Alle hatten Spaß und wurden satt.
Der Heimweg von Vejers Strand zu Vejers Strand Camping konnte über zwei Wege geschehen, entweder über den Strand oder über die direkte Straßenverbindung. Wir entschieden uns dieses mal für die Straße. Ist auch ein sehr schöner Weg, direkt durch die Düne und vorbei an richtig hyggelig anmutenden (Ferien-)Häusern.
Übermorgen wollen wir Vejers Strand verlassen, deshalb entschlossen wir, das große Zelt abzubauen und stattdessen das Tarp aufzustellen. Später zumindest 🙂
Denn wir wollten die Zeit noch nutzen. Und so machten wir unseren üblichen Ausflug zum Spielplatz und dem leckeren Café Tropic.
Anschließend liefen wir über den Strand zurück und hatten wirklich viel Spaß!
Noch schnell das Tarp aufgespannt…
… was zu Abend gegessen und dann ging es irgendwann auch ins Bett.
Für diesen Tag hatten wir etwas gebucht, eine Traktorfahrt über die Insel Mandø direkt ins Watt des Nationalparks Vadehavet. Mit genug Vorlaufzeit im petto besuchten wir davor die kleine, schnuckelige Stadt Ribe. Dort lungerten wir dann an der Domkirche rum, decken uns mit Essen für die Traktorfahrt ein und aßen noch ein Eis.
Nicht zu vergessen, Lillys heiliger Spaziergang durch die Domkirche 🙂
Dann ging es los, Auto abstellen und ab in einen uralten Bus, der uns nach Mandø brachte. Joshi hatte sichtlich Spaß an der holprigen Fahrt.
Die Straße, die wir nach Mandø befuhren wird zwei mal am Tag von den Gezeiten überflutet, demnach ist auch die behördliche Empfehlung, diese Strecke ehr mit den “Öffis” zu befahren.
Ein Deich schützt die kleine Insel vor Sturm und Flut.
Vor dem Café Mandøpigen und den wenigen Häusern im Südwesten der 7,6km² kleinen Insel hieß es “Umsteigen auf die Traktorenbusse”.
Und so verließen wir schließlich die Insel Mandø und fuhren raus auf’s Wattmeer.
Nach einer Weile änderte sich der Untergrund zu einem einzigen Meer aus purem Sand.
Wir erreichten die größte Sandbank des Wattenmeeres, Koresand. Genauer genommen ist es eine Hochbank, also eine Sandbank, die weit über den mittleren Tidehochwasser liegt. Und so errichteten hier einst Menschen eine Warft, also ein mit Erde aufgeschütteten Siedlungshügel. Mehrere Sturmfluten vertrieben jedoch die Siedler im 19. Jahrhundert.
Wikipedia: Choresand und Mandø (Manö) auf einer Karte von 1880
Die Tour war übrigens komplett auf Dänisch und so verrät mir jetzt Wikipedia -wir schreiben heute den 10. Februar 2022- diese spannenden Details.
Die Spuren unserer Karavane erinnerten in allen Belangen an Spuren in unberührtem Schnee.
Am Ende der Hochbank erwartete uns die Nordsee, viele Vögel und in einiger Entfernung (vermutlich) eine Kegelrobbe.
Wir fragten uns auf der Fahrt hierher, was das für komische Bäume sind, die immer wieder aus dem Sand ragten… Jetzt wurde es klar, es waren Markierungen, an denen sich “Mandø Kro & Traktorbusser” orientierten.
Es war spannend, das Watt jetzt mit Hand und Fuß zu erleben.
Diese kleinen Tierchen wurden von den Tourführern direkt Vorort verspeist.
Auf diesem Bild auch schön zu sehen, das Ende des Hochsandes.
Schließlich fuhren wir zurück zur Insel Mandø.
Allerdings ohne in einen klassischen Bus umzusteigen, dieses mal fuhren wir den kompletten Weg, bis zu unserem kleinen mobilen Zuhause auf dem Festland, mit dem Traktorbus und hatten somit auch nochmal eine gute Gelegenheit, bei freier Sicht ein paar Eindrücke fotografisch festzuhalten.
Hunger und Müdigkeit machten sich bemerkbar…
Und so verließen wir die Insel Mandø und machten uns auf den Weg zurück zu “Vejers Strand Camping”.
Wenn es eines gab, was mich innerlich berührt hat, dann waren es die belgischen Waffeln im Café Tropic in Vejers Strand. Fantastisch!
Diese gab es ja direkt am Spielplatz, deshalb wurde natürlich auch dieser Gang nicht ausgelassen.
Es war schon von fortgeschrittener Uhrzeit und das Wetter versprach wiedermal einen tollen Sonnenuntergang. So machen wir uns um 21:20 auf den Weg zum Strand.
Es lohnte sich dieses mal so richtig …
… wobei Joshi unbeeindruckt der Sonne den Rücken zeigte und sich lieber dem feinen Sand widmete.
Marie hatte viel Spaß und Sprang wie wild quer über die Düne.
Und so schafften wir einen weiteren Tag …
… und waren mit der Wahl der Abschlusszeremonie nicht alleine 🙂
Gelegentlich huschten von uns neidvolle Blicke zu Nachbarn mit Wohnmobilen, weil sie durch ihren fahrbaren Wohnuntersatz deutlich flexibler Ausflüge mit dem Auto unternehmen konnten. Kein mit der Kederleiste verbundenes Zelt, kein Aufstelldach, einfach wegfahren, fertig. Der Preis dafür ist uns allerdings ganz klar zu hoch. Und mit Preis meine ich zum einen die finanziellen Kosten, denn mit unserem Bulli können wir auch den Alltag bestreiten, bei einem Wohnmobil bräuchten wir immer noch ein Auto. Zum anderen hätten wir für mehr als 300 Tage pro Jahr einen “Brocken” an der Backe, der im Freien rumsteht, Pflege braucht und laufende Kosten und Aufwand verursacht. Das heißt, auch bei den bereits erwähnten neidvollen Blicken stehen wir zu unserer Einscheidung der “Ein-Auto-Politik”. Man stellt sich dann auch immer die Frage: Wo sitzen eigentlich die Kinder in nem Wohnmobil? Sind die ge-isofix-ed? Kindersitze montieren muss man in jedem Fall. Und ist das nicht eh ne Traumvorstellung, dass man mit einem Wohnmobil in unserer Konstellation sooo viel flexibler ist mit Ausflügen? Ich werde es vermutlich nie erfahren und das ist auch überhaupt nicht schlimm 🙂
Also gingen wir es an: Untere Decken verstauen, Rückbank umklappen, Kindersitze montieren, Beifahrersitz nach vorne drehen, obere Matratze entlüften, obere Decke gerade ziehen, Aufstelldach runter, Grauwassereimer wegstellen, zu nahe gelegene Zeltheringe entfernen, Auto starten, vorsichtig und gerade den Zeltkeder aus der Autokederleiste herausfahren, Zelt zumachen, Kinder anschnallen, fertig.
Erst ging es nach Esbjerg, wo man wirklich sagen muss, mit Kindern kann das Leben echt eine einzige Hölle sein. So ist in Esbjerg auch nur ein Alibi-Bild entstanden, auf dem Marie die schlechte Grundlaune mit einem unbeeindruckten Lächeln paraphrasierte.
Weiter ging es dann zum Leuchtturm Blavand oder auch Blåvandshuk Fyr, wobei die Grundstimmung sich glücklicherweise wieder erholte.
Das Wetter war wirklich perfekt für einen Ausflug mit Aussicht. Und so begaben wir uns zum Treppenaufstieg, ein Highlight für sich alleine.
Oben angekommen erwartete uns ein wirklich fantastischer Rundumblick.
Und auch das innere des Leuchtturms beeindruckte mit dem riesigen Leuchtmittel.
Nach dem Abstieg erkundeten wir noch den Strand. Schon von Weitem sahen wir, wie sich dort auf der Sandbank ein paar Kegelrobben lang legten. Und in der Tat, wir kamen nah genug ran, um uns selber ein Bild davon zu machen. Fernglas und Teleobjektiv zahlten sich aus.
Auch hier wieder eindrucksvoll in Szene gesetzt, der Preis der Energie der Zukunft.
Fast gesättigt mit Eindrücken kehrten wir wieder auf unseren kleinen Platz mit Zelt zurück und machten noch einen abschließenden Gang zum Ende der Düne am Anfang des Strandes, um dem Sonnenuntergang beizuwohnen.
Tolle Stimmung war dort! Während dieser riesen Feuerball die Nordsee küsste, tanzte im Vordergrund ein Paraglider von Düne zu Düne.
Damit war das letzte Quäntchen Seelennahrung zugenommen und wir zogen uns zurück in unseren Camper.
Das Wetter war prima und wir wollten wieder an den Strand, dieses mal mit Basisstation, also unserer Strandmuschel.
Ging ganz schön unter uns kleines Muschelchen. Wohl nicht um sonst hieß der Strand hier “Autostrand”. Viele Besucher nutzten ihren fahrbaren Untersatz als Basecamp. Eigentlich auch ziemlich cool, wir könnten hier Essen, Trinken, kurz mal Schutz suchen, dachten wir.
Natürlich pfiff der Wind wieder ordentlich, so hatte man immer ein interessantes Bild von Barfüßlern mit ungewohnt viel Oberbekleidung.
Selbstverständlich bekam auch unser Drache ein wenig Ausgang, und zwar in maximal möglicher Höhe. Mehr ging nicht, da die Nylonschnur komplett ausgerollt war.
Abends grillten wir die in Vejers Strand Downtown gekauften Fleisch- und Würstchenwaren.